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08.06.2017

Wespen und Hornissen: Kein Grund zur Panik

Die Tiere stehen unter Schutz und sind für die Schädlingsbekämpfung wichtig. Naturschutzbehörde und Feuerwehren stehen mit Rat und Tat zur Seite.


Wespen, Hornissen und Hummeln sind ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems, mit denen man in den meisten Fällen problemlos leben kann. Wer sich jedoch von diesen Tieren belästigt fühlt, kann während der Dienstzeit mit der zuständigen Gemeinde oder der Naturschutzbehörde im Landratsamt Haßberge Kontakt aufnehmen.

 

Wo und wie man Hilfe bekommt, wenn einfache Maßnahmen nicht helfen, darüber informierten die beiden Sachbearbeiter am Landratsamt, Manfred Husslein von der Naturschutzbehörde und Franz Lindner von der öffentlichen Sicherheit sowie Philipp Engel, Beauftragter der Kreisbrandinspektion für Wespen-Hornissen-Koordination. 


Viele Menschen haben heute ihren Bezug zu Naturerscheinungen, wie Wespen und Co., verloren. Dabei wird oft der Nutzen von diesen Insekten vergessen. „Gerade Hornissen und auch Wespen sind hervorragende Schädlingsbekämpfer und als Nützlinge wertvolle biologische Helfer der Gartenfreunde“, erklärt Manfred Husslein.


Vielfach ist die Unkenntnis über die Tiere und ihre Lebensgewohnheiten Auslöser von Angst und Panik und der ratsuchende Bürger wendet sich zunächst an die Feuerwehr. Seit 1995 finden im Landratsamt in einer Kooperation zwischen der Naturschutzbehörde und dem Feuerwehrwesen Schulungen zu diesem Thema statt. Alle Seiten arbeiten seit dem in all den Jahren Hand in Hand. Anfangs mit fünf Mann von der Feuerwehrseite als erfolgreiches Projekt gestartet, sind es aktuell 72 geschulte Feuerwehrleute, wie Franz Lindner erklärt. „Wir haben ein dichtes Netz an Beratern, man darf jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass dieser Dienst freiwillig ist und von den Helfern neben ihrer regulären Feuerwehrtätigkeit verrichtet wird. Der dem Landkreisbürger so gebotene Beratungsservice ist bayernweit nahezu einzigartig“, so Lindner.


Von Anfang an mit im Boot waren die beiden Idealisten Philipp Engel und Kreisbrandinspektor Peter Pfaff. Als bayernweit geschätzter Experte ist Philipp Engel auch der Ansprechpartner Nummer eins im Landkreis, wenn es um die Versetzung eines Wespennestes geht. Engel kann als kompetenter Partner aus einem großen Erfahrensschatz schöpfen, den er in 15 Jahren Tätigkeit sammeln konnte. „Die Beseitigung eines Wespen- oder Hornissennestes gehört nicht zu den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr“, betont Engel und führt weiter aus: „Es ist kein Muss, sondern eine freiwillige Leistung der Feuerwehr“. Aber: „Bei besonderen Voraussetzungen, wenn Gefahr in Verzug ist, wird die Feuerwehr tätig“. Ansonsten kann man sich selbstverständlich auch an eine gewerbliche Schädlingsbekämpfungsfirma, dem Kammerjäger, wenden. Die Feuerwehren wollen und dürfen nicht Konkurrenz für die gewerblichen Schädlingsbekämpfer sein. Es bleibt dem betroffenen Bürger freigestellt, an welche Stelle er sich wendet.


Als Vorzeigekommune verweist Philipp Engel auf die Stadt Eltmann. Hier wurde ein Fragebogen zum Insekteneinsatz erstellt. Nach erster Analyse mit Fragen über persönliche Daten, der Art der Insekten, wo sich das Nest befindet und ob eine Allergie gegen Insekten vorliegt, erfolgt der Rückruf durch Philipp Engel. Auf dem Fragebogen ist auch vermerkt, dass die Einsätze der Feuerwehr kostenpflichtig sind, es werden für jede angefangene Stunde 50 Euro in Rechnung gestellt. Es ist keine Pflichtaufgabe der Kommunen und es besteht kein Anspruch aus der Bevölkerung auf den Einsatz der Feuerwehr. So bleibt der Kostenfaktor auch jeder Gemeinde selbst überlassen, wie Franz Lindner erklärt.


Wenn Philipp Engel zum Einsatz für das Entfernen eines Wespen- oder Hornissennestes kommt, dann ist es in den Abendstunden ab 20.00 Uhr. „Das ist zum einen außerhalb der Arbeitszeit und zum anderen erwischt man zu später Stunde meist das ganze Volk“, erklärt Engel, der im Außendienst tätig ist. Ziel des Experten ist es, nach einer flexibel angepassten Lösung zu suchen und die Tiere eventuell am Ort zu belassen. Sollte dies nicht der Fall sein, kommt ein Versetzkasten zum Einsatz. Diese Holzkästen wurden in verschiedenen Größen in den Werkstätten der Lebenshilfe Augsfeld gearbeitet.


Nach erfolgreichem Umsetzen in den Kasten wird in einer Entfernung von fünf Kilometer, meist im sicheren Umfeld am Waldrand gelegen, das Wespennest umgesiedelt, ausgestattet mit der Futterbereitstellung für eine Nacht. In der Regel werden die Nester von Mai bis Oktober gebaut und nur für ein Jahr „bewohnt“. Das Wespenvolk stirbt im Winter ab, nur die Königin überwintert an einem geschützten Ort.  


Läuft beim Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt eine Meldung ein, wird diese im System hinterlegt, wie Manfred Husslein erklärt. Aus Sicht des Naturschutzes ist man bemüht, eine zufriedenstellende Lösung für beide Seiten zu finden. Beim Landratsamt liegt eine Liste vor, wo der Anrufer an qualifizierte Kräfte der zuständigen Feuerwehr vermittelt wird. „Durch die Aufklärungsarbeit wollen wir die Bevölkerung gegenüber ihrer Umwelt sensibilisieren“, so Husslein, der auch auf rechtliche Grundlagen verweist. So heißt es im Paragrafen 44 des Bundesnaturschutzgesetzes: „Hornissen, Hummeln, Wildbienen und verschiedene Ameisenarten sind besonders und streng geschützt. Es ist verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“. Die Entfernung zum Beispiel eines Hornissennestes darf nur und erst dann erfolgen, wenn die dafür erforderliche Ausnahmegenehmigung von der Unteren Naturschutzbehörde erteilt wurde, klärt Manfred Husslein auf. Es kann zu  Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro kommen.


„Die Bevölkerung ist nicht alleingelassen“, versichert Franz Lindner. „Die Beratung ist oberste Priorität, aber auch der Schutz der Tiere steht im Vordergrund“. Im Ausnahmefall können außerhalb der Dienstzeiten, an Wochenenden oder Feiertagen Manfred Husslein, Telefon 0171/5004468, Philipp Engel, Telefon 09521/27-422 oder Peter Pfaff, Telefon 0173/8644506 angerufen werden. 


Autorin: Christiane Reuther


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