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04.08.2017

Netzwerk für die Integration

Halbzeit im Projekt „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“: Nelson Müller berichtet über seine Erfahrungen und zieht Zwischenbilanz.


Halbzeit im Projekt "Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte": Projektleiter Nelson Müller auf dem Weg in die zweite Halbzeit.

Kindergarten und Schule, Alphabetisierungs- und Integrationskurse, Kurse zur berufsbezogenen Deutschförderung, ehrenamtlich durchgeführte Sprachkurse, Berufsintegrationsklassen und -vorklassen, Anerkennung von Abschlüssen - Integration durch Bildung ist eine Querschnittsaufgabe, an der viele Akteure beteiligt sind. Nur durch eine gute Kooperation und Koordination kann diese Aufgabe gelingen. Und genau das ist eine Kernaufgabe von Nelson Müller, der seit 20. Juli 2016 das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ am Landratsamt Haßberge leitet: die Vernetzung der an der Integration beteiligten Akteure und das Zusammenbringen der richtigen Stellen, um einen intensiven Austausch untereinander und Abstimmungen und Zusammenarbeit zu fördern. Quasi als „Spinne im Netz“ bewahrt der 28-jährige Islamwissenschaftler den Überblick über die Vielzahl an Integrationsmaßnahmen und -anstrengungen, die im Landkreis Haßberge vonstattengehen und versucht, weitere noch notwendige Fäden zu spinnen, um die Integration weiter voranzubringen.

 

Der größte Auftrag von Landrat Wilhelm Schneider bislang war für Nelson Müller die Organisation des 1. Runden Tisches Migration am 15. November 2016 mit rund 60 Beteiligten aus Kommunalpolitik, Verwaltung und haupt- oder ehrenamtlich in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit Engagierten. Außerdem bespielt er das Thema Integration in schon länger bestehenden Gremien wie dem Arbeitskreis „frühe Kindheit“, dem Arbeitskreis „Schulentwicklung“ und der Steuerungsgruppe Bildung, und steht zudem regelmäßig im Austausch mit den Bildungsträgern, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), ehrenamtlichen Deutschunterrichtenden, dem Jobcenter und anderen in diesem Bereich tätigen Akteuren.

 

Wichtig ist Nelson Müller gezielt auch die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen miteinzubinden. Dazu zählen vor allem die vielen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger. So organisierte Nelson Müller im März 2017 eine Fortbildung für ehrenamtliche Sprachvermittler, trug gemeinsam mit Integrationslotsin Siza Zaby und Landrat Wilhelm Schneider beim Lions Club vor und baute gemeinsam mit dem Bibliothekszentrum Haßfurt die Fachabteilung „Migration, Integration und Sprachförderung“ auf.

 

Dabei macht der 28-Jährige immer wieder die Erfahrung, dass der Wille im Landkreis Haßberge außerordentlich groß ist, die Integration zum Erfolg zu führen. Dies sei, so Nelson Müller, keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass die Strukturen beim Thema Migration im Landkreis Haßberge erst relativ neu sind. Naturgemäß standen angesichts einer Ausländerquote von unter 2,5 Prozent im Landkreis vor der so genannten „Flüchtlingskrise“ lange Zeit die Themen Zuwanderung und Integration nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

 

Nelson Müller warnt daher oftmals vor Ungeduld und Übermut, denn viele Diskussionen zu Integration werden äußerst emotional und mit falschen Erwartungshaltungen geführt. Zum einen fehlen gelegentlich noch die Erfahrungswerte, zum anderen braucht Integration vor allem auch Zeit und Geduld. „In den vergangenen eineinhalb Jahren sind zahlreiche kleine Schritte auf dem Weg zur gelungen Integration bereits erfolgreich durchlaufen worden. Nach der Aufnahme und Grundversorgung der zu uns gekommenen Menschen, sind wir mittlerweile bereits so weit, dass man sich mit dem Großteil zugewanderter Menschen auf Deutsch grundlegend verständigen kann“ – kürzlich startete in Haßfurt der erste Kurs mit dem Ziel, das Sprachlevel B2 zu erreichen. Diese Niveaustufe ist ungefähr vergleichbar mit den Englischkenntnissen, die von Abiturienten in der englischen Sprache erwartet wird.

 

Zur Zeit steht jedoch nach wie vor ganz klar bei den meisten Zugewanderten das Erlernen der Sprache im Fokus, denn solide Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind die wichtigste Voraussetzung für eine gelingende Integration in das gesellschaftliche Leben und dem Zugang zu Aus- und Weiterbildungen, sowie dem Arbeitsmarkt. So ist es Ziel des Bildungskoordinators, die vorhandenen Bildungsangebote zu optimieren und auf die sich schnell wandelnden Bildungsbedarfe der Zielgruppe abzustimmen.

 

Nelson Müller ist gewillt, sein Vorhaben datenbasiert anzugehen. Dies dient einerseits der Evaluation von Maßnahmen, kann aber andererseits auch helfen, frühzeitig festzustellen, an welchen Stellen Probleme auftreten und hilft zudem Vorurteile, „alternativen Fakten“ und unwahren Behauptungen entgegenzutreten. So ist auch im Faktencheck Bildung des Landkreises Haßberge 2016, den Nelson Müller 2017 gemeinsam mit der Bildungsmanagerin des Landkreises, Julia Hünemörder, herausgab, ein eigener Bereich dem Thema Migration gewidmet.

 

Durch die hervorragende Zusammenarbeit beider vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektstellen, besteht auch die Möglichkeit von Synergien: Zum Beispiel erfasst das Bildungsportal des Landkreises auch Bildungsangebote und -anbieter für Neuzugewanderte und auf der von der Bildungsmanagerin organisierten Bildungskonferenz am 23. September 2017 auch einen Workshop zum Thema Zuwanderung, der sich gezielt an Unternehmen in der Region richten wird, vom Bildungskoordina-tor in Kooperation mit den Kammern IHK und HWK und dem Verband der bayerischen Wirtschaft angeboten.

 

Wenngleich der Fokus des Projektes auf dem Landkreis Haßberge liegt, ist dem Bildungskoordinator auch die Vernetzung außerhalb der Kreisgrenzen außerordentlich wichtig. Zum einen geht es darum, gute Ideen und Erfahrungen aus Kommunen mit mehr Integrationserfahrungen zu importieren, zum anderen ist es aber auch wichtig die Interessen des ländlichen Raumes im Allgemeinen und des Landkreises Haßberge im Speziellen anzusprechen und auf der Tagesordnung zu halten. Deswegen nimmt Nelson Müller an Fachgruppen des Migrations- und Integrationsbeirates der Regierung von Unterfranken teil, trägt regelmäßig Erfahrungen und Anliegen an das Bundesamt für Migration und Integration (BAMF), und gründete mit Bildungskoordinatoren von Nachbarlandkreisen die „Berufsgruppe Bildungskoordination Main-Rhön“. Außerdem nahm er in seiner ersten Halbzeit an Konferenzen und Fachtagungen im Staatsministerium für Arbeit und Soziales, und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teil. 

 

Denn für jeden den bestmöglichsten Bildungsweg zu finden, und so auch Neuzugewanderten möglichst rasch eine eigenständige Existenz, weitgehend unabhängig von staatlichen Transferleistungen, zu ermöglichen, ist ein Anspruch den der Landkreis Haßberge an sich selbst stellt und ein Ziel, das durch die Fortführung des Projektes „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ nun in einer zweiten Halbzeit weiterhin verfolgt wird.


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