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30.12.2015

Mehr als nur eine Liebesgeschichte

40 Jahre deutsch-französische Freundschaft zwischen dem Landkreis Haßberge und dem District du Tricastin in Südfrankreich gefeiert. Pierrelatte und Haßfurt besiegeln offiziell ihre Städtepartnerschaft. Vor allem Begegnungen im Bereich Jugend sollen intensiviert werden.


Eine Hochzeit gehört zu den schönsten Ereignissen im Leben. Gerne erinnern sich die Paare an diesen besonderen Tag. Dies gilt auch für den Landkreis Haßberge und den District du Tricastin, die sich 1974 in Haßfurt und 1975 in Pierrelatte offiziell das „Ja-Wort“ gegeben haben. 40 Jahre deutsch-französische Freundschaft sind Grund genug, innezuhalten, zurückzuschauen und nach vorne zu blicken. Auf Einladung der Bürgermeisterin von Pierrelatte, Marie-Pierre Mouton, reiste eine 42-köpfige Delegation aus dem Landkreis – darunter Landrat Wilhelm Schneider, die Bürgermeister Günther Werner und Michael Ziegler, der Partnerschaftsbeauftragte Kurt Sieber sowie Vertreter des Stadtrates Haßfurt, Mitglieder des Freundeskreises Haßberge-Tricastin und Musiker des Blasorchesters Sand – mit dem Bus nach Südfrankreich, um diesen besonderen Hochzeitstag zu feiern.

 

Der Samstagvormittag markierte dabei zweifellos einen wichtigen Höhepunkt: bei dem offiziellen Festakt wurde die langjährige freundschaftliche Verbindung zwischen Haßfurt und Pierrelatte mit der Gründung einer offiziellen Partnerschaft gekrönt. Damit ist Haßfurt – nach Eltmann und Königsberg – die dritte Stadt, die ihre Partnerschaft mit einer Kommune im französischen District du Tricastin offiziell besiegelt hat. Landrat Wilhelm Schneider freute sich, dass der Landkreis Haßberge hierzu  vor über 40 Jahren Wegbereiter war und sozusagen Pionierarbeit geleistet hat.

 

„Kommunale Partnerschaften, wie die unseren, tragen zur Friedenspolitik und Stärkung des europäischen Bewusstseins bei“, machte er deutlich. „Die Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Haßberge und aus dem District du Tricastin sind fleißige Handwerker, die gemeinsam am Haus Europa bauen. Daran mitzuarbeiten, ist ein Geschenk, über das wir uns glücklich schätzen dürfen“. Was vor über 40 Jahren begann, hat sich mittlerweile zu einer echten Freundschaft zwischen den Menschen entwickelt. Die deutsch-französische Partnerschaft wird auf beiden Seiten umfassend gelebt. „Erfreulicherweise stellen gerade die Jugendlichen eine große Zahl der aktiven Austauschpartner“, so Schneider. Vor allem der Schüleraustausch der beiden Gymnasien Ebern und Haßfurt sowie der Realschule Eltmann verdeutliche, wie groß die gegenseitige Neugier ist. Damit werde nicht nur der Weg für viele weitere Jahre der Partnerschaft zwischen den beiden Landkreisen bereitet, sondern die deutsch-französische Beziehung im Ganzen gestärkt.

 

Werk der Gründer fortsetzen

„Wir wollen das Werk, das die Gründer unserer Jumelage einst begonnen haben, fortführen“, bekräftigte der Landrat und dankte allen engagierten Förderern und Pionieren der Partnerschaft. Namentlich nannte er unter anderem Dr. Walter Keller, Rudolf Handwerker, Kurt Sieber, Ingrid Fächer, Armin Kudella, Dr. Jean Mouton, Tom Bodinier, Colette  Daudel, Bernard Martini, Jacques Grand-Salangros, Michael Germain und Christian Coudert. Den Mitgliedern des Freundeskreises Haßberge-Tricastin, die mit Leib und Seele die Idee der Partnerschaft leben, dankte er ganz beso-ders. Sie helfen tatkräftig bei der Organisation von Austauschbegegnungen mit und fungieren als Dolmetscher. „Zwischen den Haßbergen und dem District du Tricastin werden immer über 1000 Kilometer liegen, aber ich bin mir sicher, dass sich die rund 13 Stunden Busfahrt auch in Zukunft lohnen werden. Vielleicht sogar noch mehr denn je.“

 

Der Haßfurter Bürgermeister Günther Werner hielt seine Rede sogar in Französisch. Auch er war dankbar für die vielen „Botschafter“, die die Partnerschaft zwischen dem District du Tricastin und dem Landkreis Haßberge zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Besonders freute er sich, dass der Stadtrat von Haßfurt am 5. Oktober den Beschluss gefasst hatte, die Partnerschaft mit Pierrelatte offiziell zu begründen. „Mit dieser Partnerschaft können wir nichts besseres tun, als es unseren Bürgern – und insbesondere unseren Jugendlichen - zu ermöglichen, in persönlichen Begegnungen, viel voneinander zu erfahren“, so das Haßfurter Stadtoberhaupt. Nachdem sich Pierrelatte mit ähnlichen Themen und Fragen wie Haßfurt beschäftigt, sah der Bürgermeister genügend Potential, um gemeinsam im gegenseitigen Austausch weiter zu kommen und auf der einen oder anderen Ebene zusammen zu arbeiten. 

 

Bürgermeisterin Marie-Pierre Mouton freute sich über die schöne 40-jährige Geschichte einer wunderbaren Freundschaft, die Tag für Tag mit unlöschbarer Tinte  von vielen Akteuren mitgeschrieben wird. Die Ge-schichte der Partnerschaft Haßberge-Tricastin sei in erster Linie „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen – eine Liebe zwischen dem früheren Haßberge-Landrat Dr. Walter Keller und der Drôme provençale, seiner Landschaft und deren Bewohnern.  Daraus habe sich eine Freundschaft entwickelt, die geprägt ist von gegenseitigem Respekt und wunderschönen Momenten. „Ganz gleich ob Turner, Athleten, Majoretten, Chorsänger, Musiker, Fußballspieler, Schüler, Feuerwehrleute oder ehemalige Kriegsteilnehmer  - sie alle haben mindestens einmal die Entfernung von über 1000 Kilometern überbrückt, um das Engagement unserer Vorgänger zu festigen, so Mouton. Durch diese vielfältigen Begegnungen  und regelmäßigen Kontakte konnte diese Partnerschaft – auch schon in einer Zeit ohne soziale Netzwerke Früchte tragen und  Authentizität bewahren. Die Bürgermeisterin wünschte sich, dass die Partnerschaft auch in Zukunft gelebt wird und vor Freude der Jugendlichen sprudelt.

 

 „Wenn ich auf mein langes Leben zurück schaue, dann gibt es nur wenig, auf das ich so stolz bin, wie auf diese Partnerschaft“, sagte Dr. Jean Mou-ton. Der damalige Bürgermeister und Mitunterzeichner der Urkunde erin-nerte an die  Idee und den Ehrgeiz von Landrat Dr. Walter Keller, freundschaftliche Bande zu knüpfen. Dazu kam noch das Glück, die richtigen Personen für die Umsetzung des Projektes begeistern zu können. Aber noch wichtiger sei es gewesen, dass auch die Bevölkerung hinter der Idee steht und diese  Verbindung akzeptiert und herbeiwünscht. „Nachdem die Zeit die Haßberge und Tricastin stark zusammengeschweißt hat, wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass unsere aktiven Politiker dies fortsetzen und das Zitat von Philippe Bouvard bestärken: Die Freundschaft ist das einzige Gefühl, das mit dem Alter stärker wird.“

 

Auf unzählige Begebenheiten und Impressionen blickte dann in freier fran-zösischer Rede Kurt Sieber zurück. Er dankte allen, die in den letzten 40 Jahren dazu beigetragen haben, diese Partnerschaft mit echtem Leben zu füllen. „Mit unserer Partnerschaft haben wir zwischen dem Landkreis Haßberge und dem Tricastin ein Licht angezündet. Wichtig ist, dass jetzt die Jugend dieses Licht weiter trägt in eine Zukunft, in der Weltoffenheit, Toleranz und das Verstehen über Grenzen hinweg Vorurteile beseitigen oder durch das bessere gegenseitige Kennenlernen schon gar nicht mehr au-kommen lassen“, so der Partnerschaftsbeauftragte. 

 

Nach den Ansprachen unterzeichneten Landrat Wilhelm Schneider, Bür-germeisterin Marie-Pierre Mouton und Bürgermeister Günther Werner  den in beiden Sprachen abgefassten Partnerschaftsvertrag. Bei einer umfangreichen Ausstellung im Pierrelatter Rathaus konnten sich die Gäste über die 40-jährige Geschichte der deutsch-französischen Freundschaft zwischen den Haßbergen und dem Tricastin informieren. Zum offiziellen Rahmenprogramm der Delegation gehörte außerdem die Besichtigung der Krokodilfarm sowie der Besuch einer Schmiede und einer Parfümerie.

 

Die Partnerschafturkunde im Wortlaut:

Anlässlich der Feier des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen dem District du Tricastin und dem Landkreis Haßberge, beschließen wir, die Bürgermeister von Haßfurt und Pierrelatte, getragen von dem Wunsch, die Verbindungen zwischen unseren beiden Städten zu vertiefen, unser gemeinsames Engagement durch die Unterzeichnung einer Charta der Freundschaft zwischen unseren beiden Städten zum Ausdruck zu bringen. Mit einer gemeinsamen Stimme und in vereintem Bestreben, ist es uns ei-ne Freude, feierlich  unseren Willen zu bekräftigen, das Werk fortzusetzen, das zur Förderung der Verständigung und der Brüderlichkeit zwischen unseren Völkern im Herzen Europas begonnen wurde. Wir wollen die Beziehungen zwischen unseren Mitbürgern fördern und auf diese Weise fortfahren, die freundschaftlichen Bande noch enger zu knüpfen, die uns seit mehr als 40 Jahre verbinden. Unser Wunsch ist es, unsere ganze Kraft immer daran zu setzen, die Austauschbegegnungen zwischen Vereinen, Institutionen und Organisation unserer Städte zu stärken.

 

Unsere besondere und wohlwollende Aufmerksamkeit wird dabei der Jugend gelten, in der sich die Zukunft der fruchtbaren Beziehungen verkörpert, die wir miteinander gestalten wollen. Es liegt uns sehr am Herzen, den Weg unserer Vorgänger fortzusetzen, die diese Partnerschaft begründeten. Wir würdigen ihre Verdienste und verpflichten uns, ihre Arbeit im Sinne der europäischen Tradition der Gastfreundschaft und im Respekt vor unseren Traditionen und Bräuchen in einer Atmosphäre des Vertrauens und im Geiste der Solidarität weiterzuführen. Wir sind überzeugt, dass die Bande, die unsere Städte verbinden, mitwirken werden, der europäischen Bürgerschaft Gestalt zu geben und auf die-se Weise Europa erfolgreich voranzubringen. Ebenso werden wir durch unsere Austauschbegegnungen dazu beitragen, die brüderliche Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern im Geiste der Freundschaft und des Vertrauens zu stärken und die universellen Werte von Freiheit und Demo-kratie zu fördern. Wir erklären, dass wir an Frieden und Freiheit festhalten und verpflichten uns, unsere Anstrengungen zu vereinen, um im vollen Umfang unserer Möglichkeiten zum Gelingen dieses so notwendigen Unterfangens für Frieden, Fortschritt und Wohlstand beizutragen: der Einheit Europas.


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