Auf Grundlage des „Alarmplans Main – Gewässerökologie“ wird aufgrund immer noch hoher Wassertemperaturen und eines zunehmenden Sauerstoffdefizits die Warnstufe „Alarm“ für den Meldebereich 1, der von der Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen bei Kahl a.M. (Main-km 66,6) bis Würzburg (Main-km 252,3) reicht, aufrechterhalten. Für den Meldebereich 2 von Würzburg Richtung Bamberg (Flusskilometer 252,3 bis 384,2) hat sich die Situation soweit entspannt, dass von der Warnstufe „Alarm“ auf „Warnung“ abgestuft werden konnte. Die Wassermenge (Abfluss) ist derzeit unkritisch.
Aufgrund der nächtlichen Abkühlung hat sich die gewässerökologisch kritische Lage inzwischen etwas entspannt. Im Meldebereich 1 ist die Wassertemperatur allerdings immer noch auf hohem Niveau. Das 3-Stunden-Mittel liegt in Kahl a.M. und in Erlabrunn noch über 28,0°C. Vor allem im Aschaffenburger Raum haben zudem Gewitter und Starkregen zum Eintrag von Nährstoffen und Sedimenten in die Nebengewässer und den Main geführt. Dadurch wird der Sauerstoffgehalt im Main belastet. In Kahl a.M. ist er auf 4,5 mg/l Minimalwert gesunken und zeigt weiter fallende Tendenz, die über das Wochenende anhalten könnte. Das Algenwachstum wird durch die Trübstoffe stark gebremst, wodurch weniger Sauerstoff im Main produziert werden kann. Am Kraftwerk Kleinostheim wurde am 02.07.26 die Turbinenbelüftung eingeschaltet, damit der Lebensraum für Fische und Kleinlebewesen unterstützt wird. Aufgrund der angespannten Lage wird die Warnstufe „Alarm“ beibehalten.
Auch im oberen Meldebereich 2 liegen die Wassertemperaturen nicht mehr über 27°C, aber immer noch über dem Schwellenwert von 26°C im 3-Stunden-Mittel. Dadurch kann dieser Bereich von „Alarm“ in „Warnung“ abgestuft werden. Der Sauerstoffgehalt in Trunstadt lag nach Messungen des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen am 02.07.2026 bei 5,8 mg/l. Der Sauerstoffgehalt könnte aufgrund von Nährstoff- und Sedimenteinträgen nach den vergangenen Niederschlägen noch weiter abfallen. Die Situation ist weiterhin intensiv zu beobachten.
Der Abfluss ist mit 86 m³/s im 3-Tagesmittel am Pegel Trunstadt aktuell auskömmlich. Zudem unterstützt die Überleitung von Wasser aus dem Donaugebiet den Abfluss im Main.
Die Wasserwirtschaftsämter stehen mit den Betrieben, die Kühl- oder Abwasser einleiten, weiterhin in Kontakt, um den Main so gut wie möglich zu entlasten.
Die Gesamtsituation am unterfränkischen Main ist weiterhin ernst und wird durch die Wasserwirtschaftsämter Aschaffenburg und Bad Kissingen sowie die Regierung von Unterfranken engmaschig beobachtet.
Maßnahmen der Warnstufe „Alarm“
Die Kreisverwaltungsbehörden (Landratsämter und kreisfreie Städte) wurden bereits gebeten, die Direkteinleiter (Kläranlagen und Industriebetriebe) zu verständigen, damit diese ihre Betriebsweise an die kritische Situation am Main anpassen können. Für kritische Zustände der Gewässerqualität des Mains bezüglich Temperatur, Sauerstoffgehalt und Abfluss wurden in den vergangenen Jahren von Einleitern, Kühlwassernutzern sowie Wasserentnehmern zusammen mit den Wasserwirtschaftsämtern, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt und den Kreisverwaltungsbehörden auf ihre Anlagen zugeschnittene Maßnahmen entwickelt, die nun helfen sollen, die Belastung für den Main so weit wie möglich zu reduzieren. Nutzer werden darüber hinaus sensibilisiert, alle betrieblichen Möglichkeiten zu ergreifen, um eine weitere Belastung des Mains zu vermeiden.
Nach den Vorgaben des Alarmplans sind bereits bei Auslösen der Warnstufe „Warnung“ Schlammräumungen und Baggerarbeiten im Main zu unterlassen, soweit sie nicht zwingend zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und der Leichtigkeit des Verkehrs auf der Bundeswasserstraße notwendig sind. Denn durch das Aufwirbeln von Sediment gelangen organische Nährstoffe ins Wasser, die zu Sauerstoffzehrung und Trübung führen. Außerbetriebnahmen (auch teilweise) von Kläranlagen für Revisionsarbeiten sind nicht mehr zulässig. Sollten auch die Sauerstoffwerte die im Alarmplan festgelegten Schwellenwerte unterschreiten, wird am Kraftwerk Kleinostheim durch die Uniper Kraftwerke GmbH in Absprache mit der Regierung von Unterfranken und dem Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg die Wehrbelüftung oder Turbinenbelüftung eingeschaltet, um die Sauerstoffsättigung des Mainwassers lokal zu verbessern. Sollte die Sauerstoffsättigung in anderen Stauhaltungen einen kritischen Wert unterschreiten, kann die Kreisverwaltungsbehörde in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt den Kraftwerksbetreiber zur Sauerstoffanreicherung durch Wehrüberfall veranlassen.
Nachdem die Möglichkeiten, die Wassertemperatur des Mains zu beeinflussen, sehr begrenzt sind, konzentrieren sich Maßnahmen vor allem darauf, das Sauerstoff- und Abflussregime zu stützen sowie Nutzungen des Gewässers, soweit möglich, schonend umzusetzen und Belastungen zu vermindern. Damit soll der Stress auf das Flusssystem Main und seine Lebewesen so gut wie möglich reduziert werden.
Jeder kann etwas tun
Dabei kann jeder mithelfen! Alle Bürgerinnen und Bürger bitten wir zu beachten, dass die Lebewesen im Main aufgrund der hohen Wassertemperaturen zunehmend unter Stress stehen. Bei hohen Temperaturen brauchen die Tiere mehr Sauerstoff und Ruhe, um diese kritische Phase zu überleben. Somit kann jeder, der den Main zu Freizeitaktivitäten nutzt, einen Beitrag leisten, indem an der Wasseroberfläche nach Luft schnappende Fische nicht unnötig durch z. B. schnell fahrende Boote gestört und Tiere nicht unnötig aufschreckt werden. Wichtig ist zudem, schattige Uferunterstände als Refugium für Tiere nicht zu stören und das Aufwirbeln von Sediment und Schlamm, z. B. mit Paddeln, zu vermeiden. Daraus resultierende Sauerstoffdefizite bewirken bei Tieren zum Teil enorme Schäden bis hin zum Absterben.
Sollten Sie Ansammlungen größerer toter Fische entdecken, informieren Sie bitte die Wasserschutzpolizei unter der Nummer 110.
Hinweise hinsichtlich Wasserentnahmen aus dem Main:
In den Erlaubnisbescheiden ist als Nebenbestimmung festgelegt, dass bei „Warnung“ und „Alarm“ gemäß dem Alarmplan Main – Gewässerökologie keine Wasserentnahme mehr erfolgen darf. Diese Einschränkung tritt ab sofort in Kraft. Das heißt, ab sofort ist trotz einer wasserrechtlichen Erlaubnis die Wasserentnahme aus dem Main verboten! Dieses Verbot gilt für die Entnahme mittels mechanischer oder elektrischer Pumpen. Das Schöpfen mit Handgeräten bleibt weiterhin erlaubt, sollte aber auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden.
Was ist der Alarmplan Main Gewässerökologie?
Der Alarmplan Main Gewässerökologie ist ein präventiv und sensibilisierend wirkender Warnplan, der die Kennwerte Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt an den Messstationen in Trunstadt, Erlabrunn und Kahl am Main sowie den Abfluss am Pegel Trunstadt berücksichtigt und in drei Warnstufen eingeteilt ist:
- „Vorwarnung“, wenn der Main nach der Oberflächengewässerverordnung im nicht mehr guten Zustand ist;
- „Warnung“, wenn die Bedingungen im Main für Tiere und Pflanzen zunehmend physiologischen Stress verursachen;
- „Alarm“, wenn die Bedingungen so viel Stress verursachen, dass es für Lebewesen im Main kritisch werden kann, diese zu überstehen;
Dabei sind Schwellenwerte für alle Kennwerte je nach Meldebereich und Warnstufe hinterlegt. Für die „Vorwarnung“ und „Warnung“ genügt es, wenn ein Kennwert über- oder unterschritten wird und diese Über- oder Unterschreitung nicht nur vorübergehend erfolgt. Bei der Warnstufe „Alarm“ entscheidet ein Expertengremium aus Vertretern der Regierung und der zuständigen Wasserwirtschaftsämter über die Ausrufung und Entwarnung.
Welche ökologischen Auswirkungen bewirkt der Temperaturstress im Gewässer?
Allgemein können hohe Wassertemperaturen, ein niedriger Sauerstoffgehalt oder hohe Schadstoffkonzentration durch verminderte Abflüsse bei Wasserlebewesen zu erheblichen physiologischen Stressreaktionen führen. Zu den wichtigsten Auswirkungen zählen:
- Sauerstoffmangel (Hypoxie): Mit steigender Temperatur sinkt die physikalische Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser. Gleichzeitig steigt der Stoffwechselbedarf bei den Tieren. Dies zwingt z. B. Fische dazu an der Wasseroberfläche nach Luft zu „schnappen“ oder macht sie, wie auch die meisten Kleinlebewesen (z.B. Insektenlarven, Kleinkrebse) u.a. apathisch bis sie schließlich absterben.
- Erhöhter Stress und Herz-Kreislauf-Belastung: Fische und Kleinlebewesen sind wechselwarm. Wärmeres Wasser beschleunigt ihre Atmung und Herzfrequenz, was den Energie- und Sauerstoffverbrauch massiv erhöht.
- Schwächung des Immunsystems: Der physiologische Stress schwächt die Abwehrkräfte der Fische. Dies macht sie extrem anfällig für bakterielle Infektionen, Parasiten und Pilzerkrankungen.
- Ausfall der Fortpflanzung: Viele heimische Arten von Fischen und Kleinlebewesen benötigen exakte Temperaturbereiche, um abzulaichen und sich zu entwickeln. Extreme Hitze oder Sauerstoffmangel können den Laichvorgang verhindern oder zum Absterben des Laichs und der Jungbrut führen. Arten können dabei sogar verschwinden.
- Heimische Tierarten von Kleinlebewesen und Fischen kommen mit den erhöhten Wassertemperaturen oft viel weniger gut zurecht, wie eingewanderte Arten, die vor allem aus den unteren Bereichen der Donau stammen und den Main zunehmend bevölkern. Dabei verschwinden immer mehr heimische Arten zugunsten der sog. Neozoen (= neue Tiere) und die Biodiversität geht zurück.
- Hohe Wassertemperaturen begünstigen die Ausbreitung von Cyanobakterien. Es entstehen sog. Blaualgenblüte, wenn genügend Nährstoffe im Wasser vorhanden sind. Manche Arten davon sind giftig und belasten das Wasser zusätzlich. Ist die Belastung zu hoch, sollte man darin nicht mehr baden oder schwimmen.
Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Alarmplan Main, den verschiedenen Warnstufen (mit Schwellenwertangaben) und den damit verbundenen Maßnahmen sind im Internet unter:
Alarmplan Main – Gewässerökologie - Regierung von Unterfranken abrufbar.
Aktuelle Informationen zur Gewässerqualität und zur Wassertemperatur am Main finden Interessierte auch im Niedrigwasser-Informationsdienst des Freistaates Bayern unter: http://www.nid.bayern.de/ (siehe insbesondere dort unter „Gewässerqualität/Alarmplan Main“).
Den Inhalt dieser Pressemitteilung, eventuell ergänzende Anlagen und Informationen, sowie gegebenenfalls Bilder mit Bildunterschriften können Sie im Internet unter folgendem Link https://www.regierung.unterfranken.bayern.de/presse/pressemitteilungen/archiv/2026/044/index.html abrufen.