Ehrenamt ist keine Selbstverständlichkeit

Das Bild zeigt die ehrenamtlich Engagierten, die bei dem Gewinnspiel Preise gewonnen haben.

Bei einem Gewinnspiel freuten sich diese Ehrenamtlichen über ihre Preise zusammen mit Landrat Michael Ziegler (rechts) und Landtagsabgeordnetem Steffen Vogel (links).

Menschen, die sich in besonderer Weise für andere einsetzen, standen bei einem Dankeschönabend im Mittelpunkt

Menschen, die sich seit vielen Jahren in besonderer Weise für andere einsetzen, standen bei einem festlichen Dankeschönabend im Mittelpunkt. Über 80 Inhaberinnen und Inhaber der Bayerischen Ehrenamtskarte in Gold waren der Einladung des Landkreises Haßberge und des Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement (KoBE) im Hotel Goger in Augsfeld gefolgt.

In stilvollem Rahmen erwartete die Gäste nicht nur ein Drei-Gänge-Menü, sondern auch ein abwechslungsreiches Programm. Durch den Abend führte Andrea Tiessen-Lehmann vom KoBE. Neben ihrer Moderation überraschte sie die Gäste auch mit musikalischen Einlagen und stellte dabei ihr Gesangstalent unter Beweis. Begleitet wurde sie von der Haßfurter Pianistin Petra Schlosser. „Ehrenamt ist keine Selbstverständlichkeit. Deswegen ist es uns auch wichtig, dieses Engagement in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, um noch mehr Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen“, betonte Tiessen-Lehmann.

Die Bayerische Ehrenamtskarte wurde im Landkreis bereits vor 14 Jahren als Zeichen der Anerkennung eingeführt. Seit 2012 wurden insgesamt 4411 Ehrenamtskarten ausgegeben, mit denen die Inhaberinnen und Inhaber in zahlreichen Geschäften und Einrichtungen besondere Vergünstigungen erhalten. Landrat Michael Ziegler dankte den Gästen mit den Worten: „Sie gehören zu den Menschen, die nicht nur reden, sondern auch handeln und anpacken. Sie investieren Ihre Zeit, Ihre Energie und Ihr Herzblut in unsere und für unsere Gemeinschaft.“ Auch Landtagsabgeordneter Steffen Vogel würdigte die Bedeutung des Ehrenamtes. „Unsere Gesellschaft würde nicht funktionieren, wenn es das Ehrenamt nicht gebe“, sagte er. Als Beispiel nannte er die Freiwillige Feuerwehr Wüstenwelsberg. In dem nur 44 Einwohner zählenden Ort engagieren sich mit 21 Frauen und Männern fast die Hälfte der Einwohner aktiv in der Feuerwehr.

Gerade bei den Feuerwehren engagieren sich im Landkreis flächendeckend zahlreiche Ehrenamtliche. Einer von ihnen ist Sebastian Bock aus Pfarrweisach. Der 46-Jährige ist seit seinem 18. Lebensjahr bei der Feuerwehr seines Heimatortes aktiv. Seit 21 Jahren ist er Atemschutzwart und seit zwölf Jahren federführender Kommandant in Pfarrweisach. Außerdem engagiert er sich seit zwölf Jahren als Kassier beim Kreisfeuerwehrverband. Der gelernte Schreiner war auch beim Bau des neuen Feuerwehrhauses in Pfarrweisach besonders eingebunden. Von 2007 bis 2009 war er dort als Bauleiter tätig. Von insgesamt 6500 Stunden Eigenleistung aller Feuerwehrmitglieder entfielen allein stolze 1700 Stunden auf ihn. Auch kommunalpolitisch engagiert sich Bock seit vielen Jahren. Seit 2008 gehört er dem Gemeinderat an, ist seit 2013 Feuerwehrreferent und war in der vergangenen Wahlperiode Dritter Bürgermeister. Kürzlich wurde er im aktuellen Gemeinderat zum Zweiten Bürgermeister gewählt.

In eine ganz andere Richtung geht das ehrenamtliche Engagement von Maria Egglseder aus Stettfeld. Im Mittelpunkt ihres Einsatzes steht seit Jahrzehnten das Laientheater. Bereits im Alter von 14 Jahren begann die heute 68-Jährige bei der Freilichtbühne Stettfeld Theater zu spielen. Nach einer berufsbedingten Pause kehrte sie 1986 zurück und ist seitdem ohne Unterbrechung aktiv. Seit rund 30 Jahren führt sie Regie und prägt die Aufführungen, die alle zwei Jahre im August im Hof der Alten Mühle stattfinden. Die Theatergruppe ist organisatorisch an den Gesangsverein Stettfeld angegliedert, in dem sie seit mehr als 35 Jahren in der Vorstandschaft tätig und heute Vorsitzende ist. Darüber hinaus engagiert sie sich in zahlreichen weiteren Ortsvereinen und auch in der katholischen Kirche als Wortgottesdienstleiterin und Lektorin. Zudem war sie ein Vierteljahrhundert Vorsitzende des Pfarrgemeinderates und engagierte sich zusätzlich im Diözesan- und Dekanatsrat.

Ihren Beruf gleichzeitig auch zum Ehrenamt gemacht hat Siza Zaby. Die 64-Jährige stammt ursprünglich aus Syrien und lebt seit 1990 in Deutschland. Seit 2014 arbeitet sie beim Landkreis Haßberge als hauptamtliche Integrationslotsin, Zuwanderungsberaterin und Dolmetscherin. Sie beherrscht sieben Sprachen fließend, darunter Deutsch, Englisch, Arabisch, Französisch, Armenisch, Türkisch und Spanisch. Nach Feierabend setzt sie sich zusätzlich ehrenamtlich für Menschen mit Migrationsgeschichte ein. Sie leitet unter anderem eine Selbsthilfegruppe für Frauen aus anderen Ländern, hilft im Alltag, bietet Sprachtraining an und unterstützt beim Umgang mit Computern. Ihre Landsleute nennen sie anerkennend „Mama der Syrer“, weil sie stets ein offenes Ohr für Probleme hat. Dabei betont sie selbst, dass ihre Hilfe allen Zugewanderten gelte. Für ihr Engagement erhielt sie im vergangenen Jahr die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Damals bezeichnete der frühere Landrat Wilhelm Schneider sie als Brückenbauerin zwischen den Kulturen, die Integration nicht als Pflicht, sondern als Berufung sehe.

Autor: Christian Licha