„Frauen in die Politik“ – dieser Leitsatz stand über dem „Speeddating und Politikerinnen-Talk“, zu dem das Landratsamt Haßberge eingeladen hatte. Die stellvertretende CSU-Parteivorsitzende, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Kreisvorsitzende Dorothee Bär, konnte zwar nicht persönlich teilnehmen, richtete aber ein schriftliches Grußwort an die Teilnehmenden. Darin rief sie Frauen dazu auf, sich einzumischen und Politik mitzugestalten: „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen.“
Im Sitzungssaal des Landratsamts trafen amtierende Kommunalpolitikerinnen auf interessierte Frauen ohne Mandat zum Austausch auf Augenhöhe. Hausherrin und stellvertretende Landrätin Birgit Bayer (FW) begrüßte die kleine, aber engagierte Runde der „Frauenpower“ und dankte Gleichstellungsbeauftragter Christine Stühler, die das Treffen organisiert hatte. Ziel der Veranstaltung war es, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen. Denn: In den 26 Städten und Gemeinden im Landkreis Haßberge gibt es nur zwei Bürgermeisterinnen. Umso erfreulicher war es, dass Julitta Ott, Dritte Bürgermeisterin aus Hofheim und Daniela Lang, Zweite Bürgermeisterin von Wonfurt, beim Speeddating ihre Erfahrungen als Stadt-, Gemeinde- und Kreisrätinnen teilten. Dort, wo sonst der Kreistag tagt, entspann sich in lockerer Atmosphäre ein reger Austausch – offen, persönlich und motivierend.
Ulrike Schellenberger aus dem Haßfurter Stadtteil Uchenhofen war eine der Interessierten. Die 58-Jährige engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich, ist sich aber noch unsicher, ob sie im Frühjahr 2026 für den Stadtrat erneut kandidieren soll. „Ich habe es schon zweimal versucht und bin immer knapp gescheitert“, sagte sie. Der Abend habe ihr Mut gemacht, erneut anzutreten. Sie wollte vor allem wissen, wie sie ihre Chancen für die kommende Kommunalwahl verbessern kann. Ihre Zweifel seien durch die Gespräche mit den Politikerinnen deutlich kleiner geworden. Die Bekräftigung für ein politisches Ehrenamt taten ihr gut. Erfahrungswerte lieferte unter anderem Stadträtin Claudia Glückert aus Haßfurt. Sie schilderte, wie viel Zeit und Engagement ein Mandat tatsächlich erfordert – von monatlichen Sitzungen über Ausschussarbeit bis hin zur Präsenz bei Veranstaltungen. „Man muss wissen, dass man für sechs Jahre Verantwortung übernimmt – in einem wichtigen Ehrenamt“, so Glückert.
„Frauen sind gut, sie bereichern die Politik“, gab Julitta Ott ihrer Gesprächspartnerin während einer sechsminütigen Gesprächsrunde mit. Frauen könnten ihre Sichtweisen und Kompetenzen hervorragend in die Gremien einbringen, so Ott. Auch die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Engagement war Thema an den Tischen – und wurde von den langjährigen Politikerinnen aus der Praxis beleuchtet. Judith Geiling aus Eichelsdorf, 18 Jahre Stadträtin in Hofheim und zweieinhalb Jahre als Nachrückerin im Kreisrat vertreten, ermutigte die Runde: „Was Männer können, können wir auch.“ Sie kündigte an, im kommenden Jahr erneut für den Kreisrat zu kandidieren. „Wir sind zwar nicht als Politikerinnen geboren, aber wir arbeiten uns ein – gut vorbereitet und engagiert.“ Ihre Botschaft: Frauen können mit Kompetenz und Beharrlichkeit die männlich dominierte Kommunalpolitik verändern. Parteizugehörigkeit spielte an diesem Abend keine Rolle und sollte außen vor bleiben. Der Austausch war offen, wertschätzend und parteiübergreifend. Ein Abend, der Mut machte, sich einzubringen. Und vielleicht war das Speeddating ja für die eine oder andere Frau der erste Schritt auf dem Weg ins Rathaus oder in den Kreistag.
Autorin: Christiane Reuther