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Sprungbrett in die Pflegeberufe

Generalistische Pflegeausbildung im Landkreis gut angelaufen

Bild: Zukunftscoach der VHS im Jahre 2015

Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege? Diese Frage hat man sich bisher gleich zu Beginn der Ausbildung beantworten müssen, da die Ausbildungsgänge der drei Berufe sehr unterschiedlich sind. Sehr früh, wenn man noch gar keinen Einblick in die einzelnen Pflegebereiche gewonnen hat. Dies hat sich mit dem Pflegeberufegesetz geändert, das die drei Berufsbilder zu einer generalistischen Ausbildung mit dem Abschluss als Pflegefachfrau/Pflegefachmann zusammenführt. Auch im Landkreis Haßberge ist dieses neue Ausbildungskonzept gut angelaufen.

 

Die neuen Ansätze im sehr umfangreichen Ausbildungsbereich der Pflege gehen auf eine Reform des Pflegeberufegesetzes zurück. Ziel der Reform ist es, allen Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren, eine hochwertige und zeitgemäße Ausbildung anzubieten. Sie soll den breiten beruflichen Einsatzmöglichkeiten und den Entwicklungen in der Gesellschaft und im Gesundheitswesen Rechnung tragen. In der neuen Pflegeausbildung werden unter Berücksichtigung des pflegewissenschaftlichen Fortschritts übergreifende Kompetenzen zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen und allen Versorgungsbereichen vermittelt: in Krankenhäusern, stationären Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Pflege. Damit stehen diesen Auszubildenden auch im Berufsleben mehr Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten offen. Zudem wird der generalistische Berufsabschluss auch in anderen Mitgliedsstaaten der EU anerkannt.

 

„Der mit der generalistischen Ausbildung eröffnete Zugang zu den verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Pflege – von der Akutpflege über den ambulanten Bereich bis zur Langzeitpflege – ermöglicht es den Pflegefachkräften, ihre Berufstätigkeit noch besser an ihre eigene persönliche Entwicklung und Lebenssituation anzupassen“, erklärt Dirk Niedoba, Schulleiter der Berufsfachschule für Pflege des Zweckverbands Haßfurt/Schweinfurt.

 

Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung im Landkreis Haßberge

„Natürlich muss so eine weitreichende Reform entsprechend gut vorbereitet werden und bedarf umfassender Abstimmungen“, gibt Siegmund Klug, Schulleiter der Altenpflegeschule in Hofheim, zu bedenken. Daher wurden die an der Ausbildung beteiligten Parteien angehalten, sich im Rahmen sogenannter Ausbildungsverbünde zusammen zu schließen. „Im Landkreis Haßberge sind wir hierbei gut aufgestellt. Es besteht beispielsweise eine sehr enge Kooperation mit fachlichem Austausch der Berufsfachschulen des Zweckverbands in Haßfurt sowie der Altenpflegeschule in Hofheim. Darüber hinaus existieren bereits zahlreiche enge und vertrauensvolle Kooperationen mit ambulanten und stationären (Alten-)Pflegeinrichtungen im Landkreis. Derzeit bestehen im Landkreis zwei Ausbildungsverbünde. Diese Situation ist zwar nicht optimal, wird jedoch von allen Beteiligten gut angenommen. Eine Zusammenführung der beiden Verbünde ist aber in jedem Fall geplant und soll schnellstmöglich erfolgen, um noch mehr Synergien für die Schulen aber insbesondere die Partner in der Praxis zu erzeugen“, so Klug weiter.

 

„Wir können bereits jetzt durch die Zusammenschlüsse und Kooperationen den praktischen Einsatz in allen denkbaren und erforderlichen Pflegeeinrichtungen gewährleisten. Angehende Pflegefachkräften können so im Rahmen ihrer Ausbildung beispielsweise die Bereiche ambulant, stationär,  teilstationär für Neugeborene, Kinder, Jugendliche, Erwachsene sowie alte Menschen, in der Psychiatrie, der Tagespflege oder Kurzzeitpflege, dem Krankenhaus oder in Alten(pflege)heimen durchlaufen“, ergänzt Niedoba.

 

Der erste Kurs der generalistischen Pflegeausbildung ist im Landkreis Haßberge Anfang September 2020 mit rund 50 Auszubildenden gestartet - verteilt auf die Kranken- und die Altenpflegeschule. Am 1. April 2021 beginnt der nächste Kurs der Berufsfachschule für Pflege des Zweckverbands in Haßfurt, hier gibt es derzeit noch freie Plätze. Zudem beginnen Anfang September 2021 jeweils die nächsten Kurse in der Altenpflegeschule in Hofheim sowie der Berufsfachschule für Pflege des Zweckverbandes in Haßfurt.

 

 „Ich bin stolz, dass wir in unserem Landkreis so viele engagierte Schul- und Einrichtungsleitungen haben, sodass auch die Umstellung auf das neue Ausbildungskonzept wie erhofft reibungslos erfolgt ist“, freut sich Landrat Wilhelm Schneider. „Unabhängig davon ist uns aber die Bedeutung der pflegerischen Versorgung in den Haßbergen schon lange bewusst. Daher haben wir uns bereits früh dazu entschlossen, einen Pflegestützpunkt zu etablieren. Dieser ist Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger rund um ihre Fragen zu verschiedenen Pflegethemen. Neben dessen Hauptaufgabe der Pflegeberatung, konnte aber darüber hinaus mit verschiedenen anderen Beteiligten eine wertvolle Imagekampagne ins Leben gerufen werden“, führt Landrat Schneider weiter aus. Mit der Imagekampagne ist das Projekt „Pflege on Tour“ gemeint. Bei „Pflege on Tour“ besuchen Schülerinnen und Schüler im Klassenverbund, gemeinsam mit einer Lehrkraft, eine Einrichtung der stationären Pflege. Vor Ort erfahren sie Hintergründe und Details zur täglichen Arbeit.

Ziel dieser Zusammenführung ist es, bei den Schülern mögliche Vorurteile abzubauen und die Neugier auf den Pflegeberuf zu wecken. Gerade jungen Menschen mit sozialer Ader kann „Pflege on tour“ einen Anreiz verschaffen, den Pflegebereich als eine Berufsoption zu sehen, ist der Landrat überzeugt.

 

„Vor allem bei den Verdienst- und Weiterbildungsmöglichkeiten herrschen häufig falsche Annahmen“,  erklärt Kathrin Glaubrecht, Leiterin des Pflegestützpunktes des Landkreises Haßberge. „So staffelt sich beispielsweise der Verdienst laut TVöD im Zuge der Ausbildung von rund 1.150 Euro im ersten Lehrjahr bis 1.300 Euro im dritten Lehrjahr. Das ist ein beachtliches Einstiegsgehalt im Vergleich zu anderen Berufen. Aber auch in Sachen Weiterbildung und Karriere habe das Pflegefach einiges zu bieten. Allein neun verschiedene Fachweiterbildungen sowie vier verschiedene Studienschwerpunkte gibt es derzeit. Selbst ein Aufstieg von der Pflegefachkraft bis hin zur Einrichtungsleitung mit akademischen Abschluss ist daher ein realistisches Szenario“, führt Glaubrecht weiter aus.  Unabhängig von all den Änderungen am Ausbildungsrahmen sei die Pflege vor allem eines: menschlich und zukunftsorientiert. Dies zeige auch ganz aktuell die Corona-Pandemie.

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