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Landratsamt greift Meister Adebar unter die Arme

Auf dem Südflügel des Gebäudes wurde eine Nisthilfe für den Weißstorch errichtet.

Gemütliche Wohnung an Storchenpaar zu vergeben, beste Lage im Maintal mit herrlicher Aussicht, miet- und kautionsfrei sofort zu beziehen. So könnte eine „Immobilienanzeige“ in Haßfurt lauten: auf dem Gebäude des Landratsamtes Haßberge wurde eine neue Nisthilfe für den Weißstorch er-richtet.  „Wir hoffen, dass sich bei uns im Maintal wieder Störche ansiedeln“, begründet Landrat Rudolf Handwerker die Aktion. 


„Bis vor 30 Jahren hat in Haßfurt regelmäßig ein Weistorch-Paar auf dem Gebäude der ehemaligen Brauerei Walfisch, zirka 80 Meter östlich des Landratsamt-Komplexes, gebrütet“,  erinnert sich Manfred Hußlein, der im Landratsamt als Fachkraft für den Naturschutz tätig ist. Zuletzt gesichtet wurde Meister Adebar auf dem alten Rathaus in Haßfurt am 24. März 2014 von Dietmar Will von der Stadt Haßfurt. Die letzte Weißstorchbrut konnte im Landkreis Haßberge 1989 in Knetzgau nachgewiesen werden. Aktuell brüten in Bayern rund 270 Paare, Tendenz steigend. In Unterfranken gibt es aber bislang nur sehr wenige Brutpaare.


„Um das Überleben des Weißstorchs zu sichern, sind viele Schritte notwendig“, weiß der Natur-schutz-Fachmann Manfred Hußlein. Vor allem ist dazu naturschutzpolitisches Engagement nötig. Konkrete Schutzmaßnahmen für Meister Adebar betreffen unter anderem den Erhalt und Aufbau von Feuchtgrünland und Flachwasserzonen. Im Rahmen des Life-Natur-Projektes Mainaue zwischen Haßfurt und Eltmann (2002 bis 2007) wurden durch den Landkreis Haßberge und den Main-tal-Kommunen Haßfurt, Zeil am Main, Knetzgau und Eltmann die Lebensbedingungen für Weißstörche erheblich verbessert. Erreicht wurde dies durch die Umwandlung von Acker in Feuchtgrün-land sowie durch die Anlage von Flutmulden und Flachwasserzonen. Seitdem werden regelmäßig wieder Weißstörche in der Mainaue beobachtet – im Jahr 2012 rasteten sogar 16 Vögel auf der Rin-derweide bei Augsfeld. 


Der Mangel an Nistplätzen gilt zwar nicht als Hauptursache für den Rückgang der großen Vögel. Dennoch haben Störche heute oft Schwierigkeiten auf modernen ziegelgedeckten Dächern ihre Horste zu errichten. Um wohnungssuchende Störche in den neuen Horst zu locken, hilft Reisig, das auf der Plattform befestigt wurde. Zudem wurde der Bereich um den Horst mit weißer Farbe bespritzt, was Kotspuren von vorangegangenen Storchenbruten imitieren soll. Je natürlicher der künstliche Horst aussieht, umso besser.


Bislang hat sich in der Nisthilfe auf dem Landratsamt Haßberge noch kein Storchenpaar niedergelassen, aber laut Experten  brauche dies einige Zeit. Die Chancen, dass sich Störche wieder ansiedeln, stehen laut  Dietmar Will, Toni Schenk und Friedrich Müller von der Agenda 21 Gruppe der Stadt Haßfurt gut.   „Wir freuen uns über die Aktion und hoffen, dass es uns gelingt, dass sich der Weißstorch als Brutvogel wieder im Landkreis Haßberge etabliert.“


Die Kosten für die Nisthilfe werden zu 100 Prozent au Ersatzgeldern des Naturschutzes bezahlt, dass heißt: dem Landratsamt Haßberge sind keine Kosten entstanden.

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