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Wenn Kinder zwischen zwei Stühlen sitzen

Jugendamt hilft als „Familien-Lotse“ bei Trennung und Scheidung - Mehr als 300 Krisen-Beratungen bislang in diesem Jahr

Wenn’s düster wird: Kinder leiden unter einer Trennung oder Scheidung ihrer Eltern. Das Jugend-amt bietet effektive Krisenhilfe für betroffene Familien: Seine Profi-Beratung setzt alles daran, dass sich das Klima wieder verbessert.

Auf der einen Seite die Mutter – auf der anderen der Vater: Bei einer Trennung sitzen Kinder zwischen zwei Stühlen. Ein Schicksal, das viele Familien trifft: Im Landkreis Haßberge gab es im vergangenen Jahr 166 Scheidungen mit 149 betroffenen Kindern. Für viele der betroffenen Familien wird das Jugendamt dabei zu einer wichtigen Anlaufstelle. Es kümmert sich bei einer Scheidung oder Trennung um Kinder und Eltern. Insgesamt führte das Kreisjugendamt Haßberge im vergangenen Jahr 472 Beratungsgespräche durch. Heuer waren es  bereits mehr als 300.


„Das ist Krisenhilfe für die ganze Familie. Je weiter Eltern auseinanderrücken, desto größer wird die seelische Not der Kinder. Sie leiden und brauchen vor allem dann Aufmerksamkeit mit Feingefühl. Eine ‚Lösung von der Stange’ gibt es nicht“,  so Jugendamtsleiter Christoph Schramm vom Jugendamt im Landkreis Haßberge. Gerade „im Gerangel der Eltern“ würden die Bedürfnisse der Kinder oft zu kurz kommen.

 

„Wichtig ist, dass die Eltern Unstimmigkeiten und Konflikte auf der Elternebene austragen“, so Schramm. Es komme darauf an, die Kinder dabei möglichst zu schützen. Und am Ende sollte es Vater und Mutter gelingen, eine gemeinsame Verantwortung für die Kinder zu übernehmen. „Denn Eltern bleiben immer Eltern. Auch dann, wenn sie als Paar getrennte Wege gehen“, sagt Christoph Schramm.


Dabei sei der Allgemeine Soziale Dienst des Kreisjugendamtes Haßberge mit seiner professionellen Beratung eine Art „Familien-Lotse“, um Kinder und Eltern durch die schwierige Lebensphase zu steuern. „Vor allem aber ist das Jugendamt der ‚Anwalt der Kinder’. Denn deren Interessen stehen ganz vorne. Davon wollen wir die Eltern bei unseren Beratungs-gesprächen überzeugen“, macht Schramm deutlich.


Das Verständnis für die Eltern komme dabei nicht zu kurz. „Eine Trennung kostet Nerven. Emotionen spielen hierbei eine enorme Rolle. In der Beratung holen wir die Eltern deshalb da ab, wo sie stehen. Es kommt oft darauf an, eine Verletztheit auszuräumen und offen über die gesamte Konfliktlage zu sprechen. Die Eltern müssen zunächst einmal wieder den Blick auf die Kinder richten“, erklärt Christoph Schramm die Beratungspraxis des Jugendamtes. Das Ziel sei eine kindzentrierte und kooperative Elternschaft, bei der es darum gehe, beste Lösungen für die Kinder zu erarbeiten und umzusetzen.


Als „Lösung Nr. 1“ steuert das Jugendamt die so genannte „außergerichtliche Elternverein-barung“ an. „Hierin wird der Umgang und vieles von dem geregelt, was für die Kinder wichtig ist. – Ein Mix aus ‚Wegweiser und Rezeptbuch’ für das künftige Miteinander von Kin-dern, Mutter und Vater“, erklärt Christoph Schramm. Das Jugendamt sei dabei eine Art „Schlichtungsstelle, die vielen Eltern hilft, einen Bogen um die Konflikte zu machen, die sonst eine enorme Energie rauben“. So eine Vereinbarung vermeide Streit und Stress. „Sie hilft, das neue Leben neu zu regeln. Und sie vermeidet, dass Kinder das Gefühl bekommen, zu festen Terminen wie Pakete von der einen zur anderen Haustür gebracht und abgegeben zu werden“, sagt Christoph Schramm.


Auch dann, wenn eine Schlichtung nicht im ersten Anlauf klappt, gilt: „Die Türen vom Jugendamt stehen immer offen für Elternberatung in Fragen der Trennung und Scheidung. Wichtig dabei ist, dass die Eltern in der Beratung nicht einen neuen Schauplatz für ihre Auseinandersetzung, sondern eine gemeinsame Lösung suchen und auch wirklich wollen“, so Schramm. Andernfalls lande der Streit vor dem Familiengericht. In diesen Verfahren werde das Jugendamt dann immer im Rahmen einer gutachterlichen Stellungnahme beteiligt. „Aber vorher tun wir alles, damit nicht das Gericht entscheiden muss, sondern eine einvernehmliche Lösung zwischen den Eltern im Interesse der Kinder gefunden wird“, sagt Christoph Schramm.


Die Beratung des Jugendamtes im Landkreis Haßberge ist für Eltern, Kinder und Jugendli-che unter folgender Rufnummer zu erreichen: 09521/270. Alternativ können sich Eltern an die Beratungsstelle für Familien - Kinder, Jugendliche und Eltern (Erziehungsberatungs-stelle) des Caritasverbandes Haßberge wenden.

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