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Fit gemacht für Eheschließungen

Neu gewählte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus sieben der neun unterfränkischen Landkreise wurden im Landratsamt Haßberge geschult.

Foto: © doris oberfrank-list - Fotolia.com

64 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus sieben der neun unterfränkischen Landkreise haben bei einem Seminar am Mittwoch  im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Haßberge das notwendige Rüstzeug erhalten, um als Standesbeamte künftig Eheschließungen abhalten zu können. Land-rat Wilhelm Schneider betonte in seiner Begrüßung, dass es zu den schönsten Aufgaben eines Bür-germeisters gehöre, Paare zu trauen. Hinter dieser Zeremonie stecke aber auch jede Menge Arbeit und man könne viele Fehler machen. Damit  alle Hochzeiten rund laufen, sei es wichtig, dass alle neu gewählten Bürgermeister geschult werden.  


Mit Dozent Walter Großmann,  der fast 40 Jahre Leiter des Standesamtes Aschaffenburg war, hatte man einen absoluten Fachmann gewonnen. Er wies darauf hin, dass die Ehe im grunde genommen ein privatrechtlicher Vertrag ist, der durch „übereinstimmende Willenserklärungen“ der Brautleute vor dem Standesbeamten zustande kommt.


Die Seminarteilnehmer erhielten einen Überblick über die Fülle der „formal- und materiell-rechtlichen Regelungen“.  Formal bezieht sich auf die Beurkundungsvorschriften des Standesamtes, also wie und was es zu Papier gebracht bzw. im elektronischen Register einzutragen ist. „Materiall-rechtlich“ bezieht sich auf die Vorschriften, die den Verlobten bzw. Frischvermählten unmittelbare Rechte und Pflichten einräumen, z.B. das Recht und die unterschiedlichen Möglichkeiten der Namenswahl in der Ehe. Beachtet werden müsse auch das ausländische Recht, weil es immer mehr Eheschließungen im Ausland gebe, wie etwa Hochzeiten von zwei Deutschen in Las Vegas.  Im zweiten Teil des Seminars gab es zahlreiche Tipps und Ratschläge für Traureden und eine unge-zwungene, aber zugleich würdevolle Zeremonie. 


Hintergrund:
In Bayern halten, anders als in den meisten anderen Bundesländern, seit  vielen Jahren die Ersten Bürgermeister die Eheschließung ab. Dieses Modell wurde trotz anfänglicher Proteste in den letzten Jahren in ähnlicher Form dann von vielen Bundesländern übernommen. Neu ist in Bayern, dass auch die Stellvertreter (2. und 3. Bürgermeister)  von ihrer Gemeinde bzw. Verwaltungsgemeinschaft bestellt werden können und dass sie kraft Gesetzes für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften zuständig sind. Die personelle Verstärkung im Standesamt ist notwendig, weil immer mehr Ge-meinden ihr Standesamt an eine Nachbargemeinde abgeben. Auch der Staat fördert diese Zusam-menlegungen verstärkt.

Die Folge davon: Wenn eine Gemeinde mit 5.000 oder 6.000 Einwohnern ihr Standesamt abgibt und keine bezahlten Standesbeamten mehr hat, kommen auf den Bürgermeis-ter schnell mal 40 bis 50 Eheschließungen pro Jahr zu. Die Arbeit kann einer allein aber nicht mehr schultern.


In Bayern gibt es derzeit rund 1.200 Standesämter.  Auch ein kleines Standesamt muss mindestens drei Standesbeamte vorhalten und diese regelmäßig fortbilden. So finden pro Jahr zwei Dienstbe-sprechungen und alle fünf Jahre ein einwöchiger Lehrgang statt. Nach der Kommunalwahl haben sich rund 980 neu gewählte Bürgermeister dieser Aufgabe gestellt und werden über den Fachverband der bayerischen Standesbeamten oder die Bayerische Verwaltungsschule geschult. 

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